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Samara Jansen, 2005 | Schliern b. Köniz, BE

 

Diese Arbeit umfasst eine multimediale Reportage über die Contact-Anlaufstelle in Bern und ihre Bedeutung für Betroffene der Berner Drogenszene. Im Zentrum steht die Geschichte von Michel. Ergänzend informiert die Reportage über die Entwicklung der Drogenszene seit den 1980er-Jahren, die Schweizer Drogenpolitik, das Prinzip der Schadensminderung sowie die Arbeit der Anlaufstelle. Im Fokus steht die Frage, welche Bedeutung dieser Ort für Betroffene hat.
Multimediale Elemente (Video, Audio, Bild und Text) werden gezielt eingesetzt, um zu informieren und emotionale Nähe zu schaffen. Eine anschliessende Umfrage zeigt: Alle Elemente wirken emotional, unabhängig vom persönlichen Bezug zu einem Thema. Besonders Audio und Bild lösen starke Reaktionen aus, die volle Wirkung entsteht jedoch erst im Zusammenspiel aller Medien.

Fragestellung

Die Arbeit orientiert sich an folgenden zwei Leitfragen:
1. Welche Bedeutung hat die Contact-Anlaufstelle für das Leben von Betroffenen in der Berner Drogenszene?
2. Mit welchen Mitteln kann in einer multimedialen Reportage der Eindruck emotionaler Nähe erzeugt werden?

Methodik

Die multimediale Reportage wurde als interaktiver Onepager umgesetzt. Dafür wurden Interviews mit Fachpersonen aus diversen Angeboten der Stiftung Contact, der KODA (Kontrollierte Drogen-Abgabe) und der PINTO (Mobile Interventionsgruppe) sowie Gespräche mit Betroffenen geführt. Die Aufnahmen erfolgten mit Mikrofonen und wurden als O-Töne verwendet. Fotos und Videos entstanden vor Ort mit dem Handy und wurden in der VN-App bearbeitet. Zeichnungen wurden mit GoodNotes auf dem iPad erstellt. Texte und interaktive Elemente wurden direkt auf der Website umgesetzt. Abschliessend wurde eine Umfrage mit Microsoft Forms durchgeführt.

Ergebnisse

Die erste Fragestellung wurde durch Gespräche mit Fachpersonen und Betroffenen beantwortet. Dabei ergaben sich sieben Bedeutungen:
– Soziales Umfeld: Die Anlaufstelle ermöglicht den Aufbau eines sozialen Umfelds mit echten Bindungen.
– Struktur im Alltag: Der regelmässige Besuch schenkt Orientierung und eine klare Routine.
– Konsum: Für einige steht die Möglichkeit zu konsumieren im Vordergrund.
– Privatsphäre: Die Anlaufstelle bietet einen geschützten Raum zum Konsum ohne Scham oder Angst vor der Polizei.
– Unterstützung bei Krisen: Sozialarbeitende helfen bei Aufgaben wie Wohnungssuche oder Bewerbungen.
– Sicherheit: Sterile Materialien und medizinische Betreuung schützen vor Krankheiten.
– Positiver Ort: Betroffene werden als Individuen anerkannt und wertgeschätzt.
Die sieben Punkte werden jeweils durch eine Vorher-Nachher-Situation dargestellt. Die Bedeutung wird textlich und bildlich vermittelt, eigene Zeichnungen unterstützen die Emotionen. Der Interpretationsspielraum ist bewusst Teil der Beantwortung der Fragestellung.

Die zweite Fragestellung wurde mittels einer Umfrage überprüft. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Audios und Bilder stark berühren, emotionale Nähe jedoch erst im Zusammenspiel aller Elemente entsteht.
In zwei Bewertungsfragen (Skala von null bis fünf Sternen) ergaben sich folgende Werte:
• Emotionale Nähe zu Michel und der Anlaufstelle: Durchschnitt 4,46 Sterne (zwei bis fünf Sterne).
• Beitrag der multimedialen Elemente zur emotionalen Nähe: Durchschnitt 4,76 Sterne (nie unter vier Sterne).
Zudem wurde die Reportage häufig als emotional bewegend und gleichzeitig aufklärend beschrieben.

Diskussion

Die sieben Bedeutungen zeigen, dass die Contact-Anlaufstelle für Betroffene weit mehr als ein Konsumort ist. Damit wird die Absicht der Arbeit erreicht, Vorurteile abzubauen und einen Blick hinter die Fassade zu ermöglichen.
In der ersten Umfrage zeigte sich ein unterschiedlich starker persönlicher Bezug (zwei bis fünf Sterne), während in der zweiten nie weniger als vier Sterne vergeben wurden. Dies zeigt, dass die multimedialen Elemente unabhängig vom persönlichen Bezug zu einem Thema stets emotionale Nähe erzeugen konnten.
Verbesserungspotenzial besteht vor allem in der Qualität der einzelnen Elemente. Zudem könnte die Reportage durch wiederkehrende Musik oder Zeichnungen nachhaltiger wirken und stärker im Gedächtnis bleiben.

Schlussfolgerungen

Diese Arbeit hat gezeigt, dass dank der multimedialen Reportage und ihrer Elemente Menschen Themen emotional erleben und Nähe spüren können, ohne dafür selbst vor Ort zu sein. Die emotionale Nähe wurde klar erreicht, doch offen bleibt, wie diese Wirkung nachhaltiger gestaltet werden kann, damit sie auch im Alltag länger nachwirkt. Mögliche nächste Schritte wären eine eigene Plattform, auf der regelmässig weitere multimediale Reportagen zu gesellschaftlich relevanten Themen erscheinen.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Julia Monn

Die Arbeit erzählt eindringlich das Schicksal eines Suchtkranken als Beispiel für viele Betroffene in der Schweiz. Samara Jansen kommt ihrem Protagonisten sehr nahe, eröffnet verschiedene Perspektiven und verknüpft die persönliche Geschichte mit der Schweizer Drogenpolitik. Visuell facettenreich und technisch anspruchsvoll erzählt, entstand so ein innovatives Endprodukt.

Prädikat:

Silber

Sonderpreis «Understanding matters» gestiftet von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

 

 

 

Alte Kantonsschule Aarau
Lehrerin: Rahel Hubacher