Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft
Janno Siegenthaler, 2006 | Untersiggenthal, AG
Diese Arbeit untersucht das Potenzial dynamischer Strompreise in der Schweiz sowie deren Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit, Verbrauchsverhalten und gesellschaftliche Akzeptanz. Aufgrund des Atomausstiegs, des Ausbaus erneuerbarer Energien und des Netto Null Ziels 2050 gewinnt der Ausgleich von Stromangebot und Nachfrage zunehmend an Bedeutung.
Die Analyse basiert auf einer Literaturrecherche mit Experteninterviews, zwei Fallstudien eines Grossverbrauchers und eines Privathaushalts, einer Umfrage mit 104 Teilnehmenden sowie einem eigens entwickelten Simulationstool zur Auswertung realer Verbrauchsdaten.
Die Ergebnisse zeigen, dass dynamische Tarife ohne Anpassung des Verbrauchs zu Mehrkosten führen können. Beim untersuchten Grossverbraucher lagen diese bei rund 17 Prozent, beim Privathaushalt ebenfalls im zweistelligen Bereich. Durch gezielte Lastverschiebung ergeben sich jedoch Einsparpotenziale von ca. 15 Prozent beim Grossverbraucher und rund 20 Prozent beim Privathaushalt (Lastenverschiebung von 30%). Die Investitionskosten für Smart Meter und Energiemanagementsysteme, amortisieren sich in den untersuchten Fallstudien innerhalb eines Jahres.
Die Umfrage zeigte eine leicht positive Haltung gegenüber dynamischen Stromtarifen wobei Transparenz, Preisstabilität und Anwendbarkeit zentral sind für die Umsetzung.
Fragestellung
• Welche ökonomischen Chancen ergeben sich für Verbraucherinnen und Verbraucher durch dynamische Stromtarife, dargestellt anhand einer Fallstudie eines Grossverbrauchers und eines privaten Haushalts?
• Wie hoch ist die Akzeptanz dynamischer Strompreise in der Schweizer Bevölkerung und welche Faktoren beeinflussen sie?
Methodik
Die Arbeit basiert auf drei methodischen Säulen:
Erstens wurde eine theoretische Grundlage durch Literaturrecherche sowie Experteninterviews mit Vertretern von Energieunternehmen erarbeitet.
Zweitens wurde eine ökonomische Analyse anhand zweier Fallstudien durchgeführt. Untersucht wurden ein Grossverbraucher mit rund 835 MWh Jahresverbrauch sowie ein Privathaushalt mit Photovoltaik, Batteriespeicher und Elektroauto. Die Daten wurden im 15 Minuten Intervall ausgewertet und mithilfe eines eigens entwickelten Simulationstools analysiert.
Drittens wurde die soziale Dimension mittels einer Umfrage mit 104 Teilnehmenden untersucht, um die gesellschaftliche Akzeptanz dynamischer Stromtarife zu erfassen.
Ergebnisse
Es zeigte sich, dass dynamische Tarife ohne Anpassung des Verbrauchs zu Mehrkosten führen. Beim untersuchten Grossverbraucher betrugen diese rund 17 Prozent, in einzelnen Monaten zwischen etwa 13 und 18 Prozent. Auch beim Privathaushalt konnten ohne Optimierung Mehrkosten festgestellt werden.
Durch gezielte Lastverschiebung ergeben sich jedoch deutliche Einsparpotenziale. Beim Grossverbraucher konnten Einsparungen von rund 15 Prozent erzielt werden, beim Privathaushalt etwa 20 Prozent bei einer Lastverschiebung von rund 30 Prozent.
Zusätzlich entstehen Investitionskosten für Smart Meter und Energiemanagementsysteme, die sich in den analysierten Fällen innerhalb von etwa einem Jahr amortisieren.
Die Umfrage zeigt eine insgesamt leicht positive Haltung gegenüber dynamischen Tarifen, wobei Unsicherheiten bezüglich Preisvolatilität und Komplexität bestehen bleiben.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass dynamische Stromtarife wirtschaftliche Vorteile bieten können, jedoch stark vom Verhalten der Nutzer abhängen. Ohne Flexibilisierung entstehen Mehrkosten, während gezielte Anpassungen klare Einsparungen ermöglichen.
Die gesellschaftliche Akzeptanz ist vorhanden, wird jedoch durch Unsicherheiten bezüglich Kostenentwicklung und Handhabung eingeschränkt.
Methodische Einschränkungen bestehen insbesondere in der begrenzten Datenverfügbarkeit, vor allem beim Privathaushalt, sowie in der nicht repräsentativen Stichprobe der Umfrage. Zudem basiert die Analyse auf nur auf einem spezifischen Tarifmodell von vielen.
Schlussfolgerungen
Dynamische Strompreise sind ein realistischer und zukunftsfähiger Ansatz für eine nachhaltige und stabile Stromversorgung in der Schweiz, da sie Kosteneinsparungen für Endverbraucher ermöglichen und zudem zur Reduktion von Netzausbaukosten beitragen, indem sie ein angepasstes Verbrauchsverhalten fördern. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass ohne ausreichende Flexibilität oder bei ungünstigen Marktbedingungen höhere Stromkosten entstehen können.
Entscheidend für den Erfolg ist eine freiwillige Teilnahme, transparente Preisgestaltung sowie der Ausbau von Smart Metern. Offen bleibt, wie sich die Verbreitung neuer Tarifmodelle langfristig auf die gesellschaftliche Akzeptanz auswirkt.
Würdigung durch den Experten
Matthias Brandes
Janno Siegenthaler bearbeitet in seiner Maturaarbeit ein anspruchsvolles und sehr aktuelles Thema. Die Arbeit überzeugt durch eine fundierte Recherche und eine umfangreiche Methodik, die sowohl ökonomische als auch soziale Aspekte beleuchtet. Dazu zählen die Entwicklung eines Simulationstools unter Einbezug von LLMs sowie eine Konsumentenumfrage. Die Analyse ist klar aufgebaut und gut nachvollziehbar. Komplexe Inhalte werden verständlich dargestellt und kritisch eingeordnet. Insgesamt handelt es sich um eine sehr gelungene, methodisch vielschichtige und qualitativ hochwertige Arbeit.
Prädikat:
Silber
Sonderpreis «startup days» gestiftet vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum
Kantonsschule Wettingen
Lehrer: Thomas Forster
