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Sophie Marlen Pudewell, 2007 | Oberwil, BL

 

Für meine praktische Maturaarbeit habe ich eigens einen essayistischen Kurzfilm erstellt, welcher der Frage nachgeht, was Mann-Sein und Männlichkeit heutzutage bedeuten, welche inneren Konflikte damit verbunden sein können und wie damit umgegangen werden kann. In meinem Film wird der Orientierungslosigkeit Raum gegeben, welche entstehen kann, wenn sich Rollenbilder wandeln.

Fragestellung

Ich habe mich mit der Leitfrage «Welchen möglichen inneren Konflikten sind junge Männer heute ausgesetzt? Wie lassen sie sich in einem Kurzfilm darstellen?» befasst. Ziel war es, herauszufinden, wie sich das Verständnis von Männlichkeit im westlichen, zentraleuropäischen Raum von den 1950er Jahren bis ins Jahr 2025 verändert hat, was für Herausforderungen sich daraus für heranwachsende Männer ergeben können und wie mit diesen umgegangen werden könnte. Aus dem erarbeiteten Wissen habe ich einen Kurzfilm erstellt.

Methodik

Für den Kurzfilm habe ich mich bei verschiedensten Quellen zur Männerforschung wie Büchern, Onlinequellen sowie Filmen informiert und Lieder zum Thema gehört, um einen künstlerischen Zugang zum Thema zu erreichen. So habe ich mein Wissen zur Entwicklung von Männlichkeit und der Darstellung von Geschlechtern im Medium Film erarbeitet. Ebenfalls habe ich eine anonyme Umfrage erstellt, welche ich an männliche Kollegen versendet habe. Bei der Auswertung habe ich das Stimmungsbild der Antworten festgehalten und mir interessante Textstellen für den Filmtext gemerkt.

Aus dem angeeigneten Wissen habe ich das Konzept des Kurzfilms entwickelt, ein Skript erstellt, Ideen ausdifferenziert und weiterentwickelt, den Film mit der Kamera Canon EOS 250D gedreht, Schauspielanweisungen gegeben sowie Bild und Ton mit dem Programm Adobe Premiere Pro, der Version 2025 auf meinem Laptop editiert.

Ergebnisse

Das Verständnis von Männlichkeit hat sich in den letzten rund achtzig Jahren stark verändert. Vom harten, emotionskalten Bild des Mannes hat man sich gelöst und heute sind vielschichtige, emotionale Männer gesellschaftlich akzeptierter. Jedoch stehen gewisse junge Männer heutzutage orientierungslos zwischen den alten Normen und den neuen, nicht immer klar formulierten, Erwartungen an Männlichkeit. Dies kann zu Verunsicherung führen. Gewisse dieser jungen Männer finden Antworten auf ihre Fragen in Videos auf den sozialen Medien, welche chauvinistisch und sexistisch sind, was ihnen eine Türe zu radikalen extremistischen Ideologien öffnen kann, oder sie noch mehr verunsichert.

Durch meine Umfrage bin ich mir bewusst geworden, dass Männlichkeit heute ein Thema ist, das viele heranwachsende Männer beschäftigt. Viele dieser jungen Männer wünschen sich, von der Gesellschaft ohne Druck und Erwartungen einfach so akzeptiert zu werden, wie sie sind, was die Prämisse meines Kurzfilms bildet.

Diskussion

Die gewählte Methodik der Wissenserarbeitung fand ich für diese Arbeit passend. Die unterschiedlichen Quellen dienten mir als reichhaltige Grundlage für die Erarbeitung des Filmkonzeptes. Der Weg zum fertigen Film war teilweise etwas holprig – anfangs hatte ich keinen Schauspieler und ich benötigte eine Weile, bis ich mich auf Adobe Premiere Pro einigermassen zurechtfand. Auch konnte ich zu Beginn nicht so richtig einschätzen, wie viel Zeit die einzelnen Arbeitsschritte benötigen würden.

Schlussfolgerungen

Die Definition von Männlichkeit hat sich stark gewandelt und sorgt für angeregte Diskussionen. Die damit verbundene Orientierungslosigkeit verunsichert viele junge Männer und kann Raum für radikale Ideologien öffnen. Mein Kurzfilm sendet die Nachricht an junge Männer, dass sie mit ihren Gedanken, Fragen und Unsicherheiten nicht allein sind. Das kann Mut geben. Es ist wichtig, auch die Gesellschaft für die Herausforderungen junger Männer zu sensibilisieren und einen Denkprozess einzuleiten, bei dem die eigenen Rollenerwartungen hinterfragt werden. So können bestehende geschlechterspezifische Probleme erkannt und Lösungsansätze gefunden werden. Mein Film trägt somit einen Beitrag zur Gleichberechtigung bei. Er ist innovativ, denn mit der Orientierungslosigkeit junger Männer heutzutage setzt er den Fokus auf einen Themenbereich, welcher im Medium Film noch nicht so häufig vorkommt.

Mit dem fertigen Produkt bin ich sehr zufrieden. Die Umsetzung der Orientierungslosigkeit und Verunsicherung des Protagonisten ist mir gut gelungen. Mein Ziel, einen Kurzfilm zum Thema Mann-Sein und Männlichkeit zu erstellen sowie das Programm Adobe Premiere Pro bedienen zu können, habe ich erreicht. Es war eine tolle Erfahrung, ein solches Projekt praktisch alleine auf die Füsse zu stellen!

 

 

Würdigung durch die Expertin

Kezia Zurbrügg

Was bedeutet „Mann sein“ heute? Zu dieser Leitfrage legt Sophie Pudewell einen soliden essayistischen Kurzfilm vor. Als inhaltliche Grundlage für die künstlerische Arbeit diente eine Recherche zum historischen Wandel des Verständnisses von Männlichkeit und eine Umfrage unter jungen Männern. Themen wie Unsicherheit, Leistungsdruck und Körperbilder werden gekonnt in den Film eingewoben. Mit einem feinen Gespür für Dramaturgie setzt sie den inneren Monolog eines jungen Mannes ins Zentrum und gibt dadurch der Orientierungslosigkeit Raum, die entstehen kann, wenn sich Rollenbilder wandeln.

Prädikat:

Gold

Sonderpreis «Zukunft schreiben» gestiftet vom Ökozentrum

 

 

 

Gymnasium Oberwil
Lehrer: David Bregenzer