Gestaltung | Architektur | Künste
Elin Haderer, 2006 | Eglisau, ZH
Anina Kluser, 2006 | Kloten, ZH
«Architecture shapes behaviour». Dieser Leitsatz bildet den roten Faden unserer Arbeit. Sie beschäftigt sich mit der architektonischen Neugestaltung der Kantonsschule Zürcher Unterland. Ausgangspunkt war die Reform des Rahmenlehrplans für Maturitätsschulen, die neue pädagogische Ansätze fordert, ohne passende Raumkonzepte zu erwähnen. Unser Ziel war es, diese Lücke zu schliessen. Architekten aus Zürich und Kopenhagen haben unsere Ideen inspiriert. Zudem half uns die Methode Lego® Serious Play®, Bedürfnisse von Lernenden und Lehrpersonen zu analysieren. Für die Visualisierung haben wir die CAD-Software SketchUp verwendet, sowie die PlugIns V-Ray und Enscape. Unser Modell besteht aus mehreren Gebäuden, die durch Passerellen miteinander verbunden sind und ein vernetztes Schulareal bilden. Offene Raumkonzepte ermöglichen interdisziplinäres Lehren und Lernen. Wir möchten zeigen, dass Architektur nicht nur Lernprozesse beeinflusst, sondern auch Motivation und Zusammenarbeit fördert. Die nachträgliche kritische Betrachtung eines Architekten und der involvierten Workshopteilnehmer bestätigt dies. Sie lässt sich durch den Abgleich mit realen Rahmenbedingungen öffentlicher Bauten weiter verfeinern.
Fragestellung
Unsere Kernfragen lauten: Wie müssen Lernräume aussehen, die interdisziplinäres Lernen ermöglichen? Welche Lernumgebung fördert überfachliche Kompetenzen wie Kooperations- und Teamfähigkeit? Wie sind Räume konzipiert, die die Lern- und Lehrmotivation steigern? In welcher Umgebung werden Lernende an einer Maturitätsschule unterrichtet, die das Bindeglied zwischen der Volksschule und Universität darstellt?
Methodik
Wir haben uns für einen breiten Einstieg entschieden: Neben Treffen mit Architekten und dem Besuch eines Gymnasiums in Kopenhagen, haben wir die Nutzer mit der Workshopmethode Lego® Serious Play® direkt einbezogen. Gearbeitet haben wir mit dem CAD-Programm SketchUp und den PlugIns V-Ray für fotorealistische Renderings und Enscape für Rundgänge durch das Schulhaus. Skizzen und Modelle mit Modelliermasse haben die Arbeit ergänzt.
Ergebnisse
Bei der Konstruktion des Gebäudes sind wir von innen nach aussen vorgegangen. Das Hauptgebäudes besteht aus einem Quader, in den drei regelmässige 6-Eck-Prismen eingesetzt wurden, sowie zwei Nebengebäuden für Bildnerisches Gestalten und Musik und zwei Aussenklassenzimmern. Alle sind durch Passerellen verbunden und ermöglichen kurze Wege. Die grossen Fensterflächen der Fassade bringen viel Tageslicht ins Gebäude. Die multifunktional nutzbaren Unterrichtsräume steigern die Lehr- und Lernmotivation, weil sie unterschiedlich genutzt werden können und ihre Form variiert. Grössere Räume können von mehreren Klassen gleichzeitig genutzt werden, wodurch der projektorientierte Unterricht und damit die Interdisziplinarität gefördert werden. Die zahlreichen Lernumgebungen sind mit Tischen, Sitzgelegenheiten und Whiteboards ausgestattet und ermöglichen Gruppenarbeiten und Diskussionen. Dies fördert die Kooperations- und Teamfähigkeit, ein wichtiger Aspekt der überfachlichen Kompetenzen. Schliesslich fördern verschiedene Typen von Lernorten das selbständige Arbeiten. Sie bereiten die Lernenden auf das Universitätsstudium vor und stärken die Maturitätsschule als Bindeglied zwischen Volksschule und Universitätsstufe.
Diskussion
Trotz differenzierter Herangehensweise entwickelten wir das Projekt zunächst von aussen nach innen, bis wir erkannten, dass die äussere Ästhetik nicht zentral ist. Beim anschliessenden Wechsel zu innen nach aussen bewährte sich unser Softwareprogramm durch die schnelle Umsetzbarkeit der Änderungen. Sehr gelungen betrachten wir die funktionale Einrichtung der Räumlichkeiten. Dank Renderings und Walk-throughs erlebte der Betrachter das Schulhaus hautnah. Gern hätten wir noch mehr Lernumgebungen im Freien errichtet. Auch die Grundfläche des Schulhauses könnte durch eine kompaktere Raumgestaltung optimiert werden. Aus dem Feedback unserer Workshopteilnehmer und eines Architekten nehmen wir mit, dass die Offenheit des Gebäudes nochmals reflektiert werden müsste, gerade auch mit Fokus auf die jüngeren Lernenden.
Schlussfolgerungen
Mit unserem Projekt haben wir ein visionäres Schulhaus der Zukunft entworfen und so das fehlende Puzzleteil zum neuen Rahmenlehrplan gefunden. Im nächsten Schritt müsste das Projekt stärker mit konkreten Rahmenbedingungen im öffentlichen Bau konfrontiert werden. Schliesslich möchten wir an dieser Stelle den Wunsch äussern, dass bei künftigen Schulbauprojekten Lehrpersonen und Schülern mit beratender Stimme Einsitz in die Baukommission erhalten sollen. So liesse sich Vision und Realität ein Stück näher bringen!
Würdigung durch den Experten
Balthasar Wirz
Die vorliegende Arbeit überzeugt durch ihren interdisziplinären Ansatz: pädagogische Ansätze werden, motiviert durch eigene Erfahrungen, in eine architektonische Gestaltung übersetzt. Dabei lösen sich die Autorinnen von konventioneller Architektursprache und erfinden ein eigenes, rein auf Funktionalität aufbauendes Raumgerüst. Es entsteht eine konsequent gedachte, aber architektonisch abstrakt bleibende Schulhausvision. Der Beitrag regt eine Reflektion über Herangehen und Entwurf solcher Bauten an und fordert zuletzt schlussfolgernd den Einbezug von Schüler*innen in soche Entwurfsprozesse.
Prädikat:
Silber
Kantonsschule Zürcher Unterland, Bülach
Lehrer: Giovanni Catone
