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Sky Delphin Kaproth, 2007 | Basel, BS
Videospiele erfreuen sich an grosser Beliebtheit bei Milliarden von Menschen. Das erfolgreiche Open-World-Spiel «Genshin Impact» des chinesischen Entwicklers miHoYo hat sich zu einem globalen Phänomen entwickelt. Diese Arbeit untersucht die Art und Weise der Integration der zwölf sozialistischen Kernwerte im Spiel sowie Anzeichen eines sinozentristischen Weltbilds.
In einem Umfeld staatlicher Regulierung durch die National Press and Publication Administration (NPPA) und der wirtschaftlichen Vormachtstellung Chinas auf dem globalen Gamingmarkt fungiert das Spiel als Instrument strategischer Soft Power. Durch eine systematische Analyse der Haupthandlung («Archon Quest») wird qualitativ und quantitativ aufgezeigt, wie Konzepte der sozialistischen Kernwerte in die Handlung eingeflochten sind. Die Ergebnisse zeigen, dass alle Kernwerte behandelt werden, insbesondere Kultiviertheit, Gerechtigkeit und Engagement. Auch hervorzuheben ist die inhaltliche Tiefe, mit welcher die Konzepte vermittelt werden. Die Analyse zeigt Merkmale des Sinozentrismus, jedoch nicht ausreichend, um ein sinozentristisches Weltbild abschliessend zu bestätigen.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Videospiele zentrale Medien der politischen Kommunikation sind, in denen politische Ideen global verbreitet werden.
Fragestellung
1. Welche der zwölf sozialistischen Kernwerte der Kommunistischen Partei Chinas werden in «Genshin Impact» besonders hervorgehoben? Worin bestehen dabei die Unterschiede in der Präsenz und Umsetzung der Kernwerte?
2. Inwiefern vermittelt «Genshin Impact» ein sinozentrisches Weltbild?
Methodik
Die methodische Basis bildet eine systematische Analyse der Haupthandlung («Archon Quest») der Spielversionen 1.0 bis 4.8, die über Videoaufzeichnungen und ein Spielarchiv erhoben wurden. Als theoretische Grundlage dienen die zwölf sozialistischen Kernwerte, welche unter Berücksichtigung divergierender Konnotationen zwischen China und dem Westen literaturbasiert definiert wurden. Die Datenerfassung erfolgte computergestützt in Excel, wobei relevante Szenen kategorisiert, mit Zeitstempeln sowie Screenshots dokumentiert und kommentiert wurden. Zusätzlich wurde zur Gewichtung jede identifizierte Szene auf einer Skala hinsichtlich ihrer Intensität der Botschaft und Relevanz subjektiv bewertet. Die anschliessende Auswertung kombiniert eine qualitative Detailanalyse mit einer quantitativen statistischen Aufarbeitung der Wertehäufigkeiten und Intensitäten gesamthaft und innerhalb der einzelnen Spielkapiteln.
Ergebnisse
Die Untersuchung identifizierte hunderte Belege für die sozialistischen Kernwerte innerhalb der Archon-Quests. An der Spitze stehen «Kultiviertheit», «Gerechtigkeit» und «Engagement». Eine Sonderstellung nimmt das Kapitel der Spielregion Liyue, eine Nachempfindung Chinas, ein: Sie ist die einzige Nation, in der alle zwölf Kernwerte vertreten sind. Zudem zeigt sich in späteren Kapiteln eine massive inhaltliche Verdichtung. Im Kapitel «Fontaine» etwa wird der Kernwert «Gerechtigkeit» nicht nur quantitativ häufiger, sondern spielt auch eine handlungstragende Rolle. Zudem liessen sich Anzeichen des Sinozentrismus nachweisen. Liyue wird als älteste, wohlhabendste und kulturell reichste Nation dargestellt.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen klar, dass «Genshin Impact» als Instrument strategischer Wertevermittlung fungiert. Die zunehmende Intensität der Werteintegration in den neueren, budgetintensiveren Kapiteln deutet auf eine bewusste narrative Strategie hin. Hinzu kommen Indizien weiterer politischer Konzepte. Besonders die Darstellung der gegnerischen Organisation «Fatui» als Kraft der externen Einmischung spiegelt das chinesische Polit-Konzept der Nichteinmischung wider. Methodisch ermöglichte die Kombination aus quantitativer Erfassung und qualitativer Intensitätsbewertung eine tiefgreifende Analyse. Dennoch bleibt die subjektive Perspektive eines erfahrenen Spielers eine Variable, die in der Zukunft durch eindeutige Kriterien ergänzt werden könnte. Die Arbeit zeigt auf, dass miHoYo den Spagat zwischen globaler Marktfähigkeit und lokaler politischer Konformität erfolgreich meistert.
Schlussfolgerungen
«Genshin Impact» ist weit mehr als ein Unterhaltungsmedium. Es ist ein Werkzeug, das die sozialistischen Kernwerte unterschwellig vermittelt. Die Arbeit konnte zeigen, wie politische Inhalte durch narratives Geschick weltweit verbreitet werden. Während die Analyse klare Muster offenlegt, bleibt die tatsächliche Wirkung auf die Spielerschaft eine Frage für weitere Forschung. Ebenso liesse sich untersuchen, ob auch andere Titel dieses Prinzip verfolgen.
Würdigung durch den Experten
Marc Bodmer
Die Nutzung von Computerspielen zur Verbreitung von politischen Werten und Propaganda ist weltweit verbreitet, aber wissenschaftlich noch wenig erforscht. Die Analyse «Genshin Impact – innovative Unterhaltung oder politisches Werkzeug?» untersucht gründlich den populären Game-Titel eines chinesischen Studios und schält die Komponenten eines sinozentrischen Weltbilds aus dem Narrativ heraus. Dabei wird auch deutlich, wie stark die Verflechtung der kommunistischen Partei Chinas mit den chinesischen Herstellerfirmen von Videospielen ist, die den globalen Markt mehr und mehr dominieren.
Prädikat:
Silber
Gymnasium Kirschgarten, Basel
Lehrer: Thomas Preiswerk
