Biologie | Umwelt
Annina Federer, 2008 | Richigen, BE
In dieser Arbeit wurde die Gewichtszunahme von Jungziegen in den ersten 40 Lebenstagen untersucht. Ziel war es, wichtige Einflussfaktoren auf das Wachstum zu bestimmen und Korrekturfaktoren zu finden, um die Milchleistung der Mütter vergleichbarer zu machen. Dafür wurden umfangreiche Daten aus mehreren Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Wurfgrösse, Geschlecht und Alter der Mutter einen Einfluss auf die Gewichtszunahme haben, den man rausrechnen kann. Auch die Haltungsbedingungen haben einen Einfluss. Die Arbeit liefert damit eine Grundlage für praktische Verbesserungen in der Zucht und Haltung von Ziegen.
Fragestellung
Sind die bekannten Einflussgrössen (Geschlecht, Wurfgrösse und Alter der Mutter) für die Capra Grigia relevant und mit welchen Korrekturfaktoren können sie ausgeglichen werden, sodass die Ergebnisse der Wägungen verglichen werden können?
Methodik
Zur Untersuchung der Linearität der Gewichtszunahme in den ersten 40 Lebenstagen wurden auf einem Betrieb 10 Jungtiere täglich und auf fünf weiteren Betrieben 45 Jungtiere wöchentlich gewogen. Zur Berechnung der Korrekturfaktoren wurde ein Datensatz (n = 1633) verwendet, in dem seit 2014 Geburts- und 40-Tage-Gewichte erhoben wurden. Die Daten stammen aus der Aufzuchtleistungsprüfung.
Zuerst wurden die Daten bereinigt, indem unvollständige oder fehlerhafte Einträge entfernt wurden. Anschliessend wurden die Einflussgrössen (Geschlecht, Wurfgrösse und Alter der Mutter) mittels multipler linearer Regression hinsichtlich Varianz und Korrekturfaktoren ausgewertet.
Ergebnisse
Die Gewichtszunahme verläuft in den ersten 40 Lebenstagen linear. Die Modellschätzungen zeigen, dass der Betrieb die grösste Varianz (24 %) erklärt. Die Wurfgrösse erklärt 10,4 % der Varianz. Für Zwillinge wurde ein additiver Korrekturfaktor von 0,91 kg berechnet gegenüber Einlingen. Das Geschlecht hat eine Varianz von 3 % und der berechnete Korrekturfaktor von weiblichen Jungtieren gegenüber männlichen beträgt 0,83 kg. Das Alter der Mutter erklärt nur 2 % der Varianz.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass das Wachstum von Jungziegen nicht durch einen einzelnen Faktor bestimmt wird. Vielmehr wirken mehrere Einflüsse gleichzeitig zusammen, die sich teilweise überlappen und daher nur schwer voneinander abgrenzen lassen. Die Wurfgrösse, das Geschlecht und das Alter der Mutter sind gut erfassbare Grössen und können einen Teil der beobachteten Varianz erklären.
Darüber hinaus fällt der deutliche Einfluss des Betriebs auf. Dieser weist darauf hin, dass Unterschiede in der Fütterung, Haltung oder im Gesundheitsmanagement eine wichtige Rolle spielen. Da viele Betriebe jedoch nur Daten von wenigen Tieren haben, konnte für einen grossen Teil kein verlässlicher Korrekturfaktor für den Betrieb berechnet werden.
Schlussfolgerungen
Die Gewichtszunahme von Jungziegen wird von mehreren Faktoren beeinflusst, die zusammenspielen. Um die Varianz des Wachstums zuverlässig zu erklären, müssen weitere Daten erhoben werden und mehr Einflussfaktoren berechnet werden können.
Für die Praxis bedeutet dies, dass diese Faktoren bei der Beurteilung der Wachstumsleistung berücksichtigt werden sollten, es allerdings noch immer eine grosse unerklärte Varianz gibt. Der Einfluss des Betriebs ist bedeutend, konnte jedoch nicht ausreichend ausgewertet werden und sollte in zukünftigen Arbeiten gezielt untersucht werden.
Würdigung durch die Expertin
Dr. Antonia Ruckli
Die Maturaarbeit von Annina Federer zeichnet sich durch ein aussergewöhnliches Mass an Eigeninitiative, wissenschaftlicher Neugier und methodischer Sorgfalt aus. Annina Federer hat umfangreiche Datenerhebungen sowohl auf Praxisbetrieben durchgeführt als auch Daten aus einer grossen Datenbank sorgfältig statistisch ausgewertet. Die Resultate wurden differenziert analysiert und in ihrem Nutzen für die praktische Ziegenzüchtung fundiert diskutiert. Die Arbeit zeigt, wie fundiertes Arbeiten auf Maturaniveau mit echtem Forschungsgeist verbunden werden kann.
Prädikat:
Silber
Gymnasium Neufeld, Bern
Lehrer: Stephan Epple
