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Sean Bartu Salur, 2006 | Oftringen, AG

 

Diese Arbeit dokumentiert die Entwicklung und Konstruktion eines eigenen Low-Fidelity (Lo-Fi) Samplers. Ziel war es, aus einfachen ISD1820-Sprachaufzeichnungsmodulen ein voll funktionsfähiges Musikinstrument mit einem charakteristischen, unperfekten Klangbild zu erschaffen. Durch gezielte Hardware-Modifikationen und die Integration zusätzlicher Komponenten entstand ein tragbarer Vierspur-Sampler. Das Projekt verbindet theoretisches Elektronikwissen mit praktischer Umsetzung und fand seine erfolgreiche Anwendung in der Produktion eines eigenen Hip-Hop-Beats.

Fragestellung

Wie lässt sich mit einfachen elektronischen Bauteilen ein funktionierendes Instrument für die Beatproduktion bauen? Ein besonderer Fokus liegt auf dem angestrebten Lo-Fi-Charakter: Es wurde untersucht, wie sich technische Limitierungen auf den Klang auswirken und als musikalisches Stilmittel genutzt werden können. Zudem galt es herauszufinden, wie sich dieser Klang physikalisch vom High-Fidelity-Standard (Hi-Fi) unterscheidet und wie sich zusätzliche Audio-Funktionen – wie Hardware-Filter und Audio-Mixer – in ein analoges Eigenbauprojekt integrieren lassen.

Methodik

Das Herzstück bilden vier separate ISD1820-Sprachaufzeichnungsmodule, die zu einem analogen Vierspur-Mischer kombiniert wurden. Für eine präzisere Justierung der Audiowiedergabegeschwindigkeit – und damit der Abtastrate – wurden die originalen 100-kOhm-Festwiderstände durch 250-kOhm-Potentiometer ersetzt. Zur Signalformung wurde ein aktives LPF/HPF-Filtermodul (Low-Pass/High-Pass) integriert. Für den mobilen Einsatz wurde das Gerät mit einem AU401-Audiomixer und Batteriebetrieb erweitert. Zudem wurde eine Dioden-Schaltung (Clipper) zur Unterdrückung von störenden Knackgeräuschen (Transienten) sowie eine Kondensator-basierte DC-Entkopplung zur Bassoptimierung realisiert. Gehäuse und Bedienelemente entstanden durch handwerkliche Verfahren, 3D-Druck und Upcycling.

Ergebnisse

Das Projekt resultierte in einem funktionsfähigen Vierspur-Sampler mit dem gewünschten Lo-Fi-Klang. Dieser entsteht primär durch eine bewusst niedrige Abtastrate (Sampling Rate: 3,2 bis 8 kHz). Im direkten Vergleich zu Hi-Fi-Audio (44,1 kHz) weist das Sampler-Signal ein stark beschnittenes Frequenzspektrum auf, bei dem die hohen Töne fehlen und hörbares Aliasing (Verzerrung) entsteht. Die 250-kOhm-Potentiometer verbesserten die Tonhöhenverstellung deutlich. Der Einbau des Filters ermöglicht nun eine gezielte Frequenzbearbeitung des Master-Signals. In der Praxis bewährte sich der Sampler beim physischen Aufnehmen von Vinyl-Samples und bei der finalen Produktion eines eigenen Beats.

Diskussion

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass technische Unvollkommenheit in der Musikproduktion ein starkes kreatives Werkzeug ist. Der massive Kontrast zum klaren Hi-Fi-Sound macht den Reiz des Geräts aus: Wird die Wiedergabegeschwindigkeit (und damit die Abtastrate) gesenkt, entstehen gewollte klangliche Artefakte, die dem Ton eine raue und warme Textur verleihen, welche in der Hip-Hop-Produktion sehr geschätzt wird. Die technischen Herausforderungen – wie das korrekte Signal-Routing durch den Mixer oder die Beseitigung von Störgeräuschen durch Dioden – unterstreichen die Komplexität analoger Audioschaltungen, boten aber wichtige Lernmomente für das Schaltungsdesign.

Schlussfolgerungen

Der Bau des eigenen Samplers beweist, dass mit verhältnismässig simplen Mitteln ein individuelles Instrument erschaffen werden kann. Technische Limitierungen sind nicht zwingend ein Nachteil, sondern können den kreativen Prozess massgeblich bereichern. Die Arbeit hat das technische Verständnis für Audiosignale, Frequenzgänge und Schaltungsdesign stark gefördert. Um das Gerät in Zukunft zu einem noch vielseitigeren Instrument weiterzuentwickeln, könnten die einzelnen Kanäle mit separaten Filter-Einheiten ausgestattet werden. Das Projekt ist ein erfolgreiches Beispiel für die produktive Verbindung von Elektronikhandwerk und digitaler Musikkultur.

 

 

Würdigung durch den Experten

Manuel Oberholzer

Die Arbeit überzeugt durch die seltene Verbindung von Technik, Gestaltung und musikalischer Praxis. Der eigenständig entwickelte Lo-Fi-Sampler zeigt ein tiefes Verständnis für Elektronik und Klangästhetik. Besonders hervorzuheben ist der reflektierte Umgang mit technischen Limitationen als künstlerisches Mittel sowie die konsequente Anwendung im eigenen musikalischen Workflow. Die Arbeit ist präzise, innovativ und auf bemerkenswert hohem Niveau umgesetzt.

Prädikat:

Gold

Sonderpreis «Mostratec» gestiftet von der SJf-Trägerschaft

 

 

 

Berufsfachschule BerufsBildungBaden
Lehrer: Dominik Steinböck