Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft
Tobias Flammer, 2007 | Lenzburg, AG
Lorenz Hartmann, 2005 | Suhr, AG
Diese Arbeit untersucht die Rolle der städtischen Kommission für Ausländerfragen in Aarau in den 1980er bis 1990er Jahren. Im Zentrum steht die Frage, welchen Beitrag die Kommission sowie die Migranten und ihre Vereine zur Integration leisteten. Dies geschieht hauptsächlich durch die Analyse der Kommissionsprotokolle, sowie den Interviews mit vier Zeitzeugen. Die Ergebnisse zeigen, dass Integration in Aarau wesentlich durch das Zusammenspiel der Eigeninitiative der Migranten und der Kommissionsarbeit geprägt war, wobei die Kommission jedoch nur begrenzte Entscheidungsbefugnisse besass.
Fragestellung
Die Arbeit untersucht, wie sich die Integrationspolitik in Aarau in den 1980er und 1990er Jahren entwickelte und welche Rolle dabei sowohl die städtische Kommission für Ausländerfragen als auch die Migranten und ihre Vereine spielten. Untersucht wird insbesondere, wie die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Migranten funktionierte und wie die öffentliche Debatte über Migration auf lokaler Ebene geführt wurde.
Methodik
Die Untersuchung basiert hauptsächlich auf den Protokollen der Kommission für Ausländerfragen aus den Jahren 1985 bis 1995. Zudem wurden Zeitungsartikel aus regionalen Medien benutzt, sowie Interviews mit ehemaligen Kommissionsmitgliedern und Vertretern von Ausländervereinen geführt.
Ergebnisse
Die Analyse zeigt, dass die Integration in Aarau stark von der Eigeninitiative der Migranten geprägt war. Ausländervereine spielten eine wichtige soziale Rolle und unterstützten ihre Mitglieder in vielen Bereichen des Alltags. Besonders gut organisiert war die italienische Gemeinschaft, während andere Gruppen teilweise mit strukturellen Schwierigkeiten konfrontiert waren. Die Kommission für Ausländerfragen fungierte vor allem als Vermittlungsinstanz zwischen den Migranten und den Behörden. Zu ihren wichtigsten Tätigkeiten gehörten die Organisation von Informationsangeboten, die Förderung von Bildungsprojekten sowie die Unterstützung bei Integrationsfragen. Ein konkretes Ergebnis dieser Kommissionsarbeit war beispielsweise die mehrsprachige Informationsbroschüre, welche wichtige Informationen für die Migranten beinhaltet. Gleichzeitig zeigt sich, dass zentrale Probleme wie etwa die Frage nach geeigneten Räumlichkeiten für Vereine oder das Wahlrecht für Ausländer nur begrenzt gelöst werden konnten. Die Kommission hatte keine Entscheidungsbefugnisse und war auf die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat angewiesen, wodurch viele Projekte nur teilweise umgesetzt wurden.
Diskussion
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Integration nicht allein durch staatliche Massnahmen erreicht werden kann, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Akteure erfordert. Während die Stadt Aarau mit der Kommission eine Plattform für Austausch schuf, lag ein grosser Teil der Integrationsarbeit bei den Migranten selbst.
Die Analyse zeigt auch Grenzen des gewählten Ansatzes: Die Kommission konnte Probleme identifizieren und Vorschläge erarbeiten, war jedoch in ihrer Umsetzungskraft eingeschränkt. Zudem war die Zusammenarbeit innerhalb der Kommission nicht immer konfliktfrei, was insbesondere bei der Asylfrage sichtbar wurde.
Methodisch stellt die Arbeit eine Kombination aus Quellenanalyse und Zeitzeugeninterviews dar, wodurch unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden konnten. Gleichzeitig ist zu beachten, dass sowohl Protokolle als auch Interviews subjektive Sichtweisen enthalten.
Schlussfolgerungen
Zusammenfassend zeigt die Arbeit, dass die Kommission für Ausländerfragen in Aarau einen wichtigen Beitrag zur Integration leistete, insbesondere als Vermittlerin zwischen Migranten und Behörden. Ihre Wirkung blieb jedoch begrenzt, da sie keine eigene Entscheidungsmacht besass. Eine erfolgreiche Integration beruht vor allem auf der aktiven Beteiligung der Migranten und ihrer Vereine. Für zukünftige Integrationspolitik lässt sich daraus ableiten, dass sowohl institutionelle Unterstützung als auch Eigeninitiative notwendig sind. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass klar definierte Zuständigkeiten und genügend Entscheidungsmacht wichtig für den Erfolg solcher Institutionen sind.
Würdigung durch die Expertin
Daniela Palumbo
Mit den Protokollen der Kommission für Ausländerfragen in Aarau haben Lorenz Hartmann und Tobias Flammer einen wichtigen Quellenbestand der 1980er- und 1990er-Jahre systematisch und sorgfältig erschlossen und damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der städtischen Migrationsgeschichte geleistet. Sie zeichnen ein differenziertes Bild der Kommissionsarbeit und analysieren deren Wechselwirkung mit den Migrantenvereinen der verschiedenen Nationalitäten. Dabei zeigen sie die Grenzen der Handlungsmacht der Kommission auf und die Ambivalenz der Migrantenvereine bei den Integrationsbemühungen.
Prädikat:
Bronze
Alte Kantonsschule Aarau
Lehrer: Doktor Sebastian Grüninger
