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Ramya Sellathurai, 2006 | Allschwil, BL

 

Diese Maturaarbeit untersucht, wie tamilische Weisheiten aus dem Thirukkural, einem tamilischen literarischen Werk, durch die klassische indische Tanzform Bharatanatyam dargestellt werden können. Ausgewählte Verse wurden durch selbstgeschriebene Geschichten interpretiert, in eigene tänzerische Choreografien umgesetzt und im Rahmen einer Aufführung präsentiert.
Ziel war es, theoretisches Wissen über Bharatanatyam und tamilische Philosophie mit praktischer Erfahrung im Choreografieren, Proben und Aufführen zu verbinden. Gleichzeitig diente die Arbeit dazu, mich selbst herauszufordern, neue Wege zu wagen und meine eigenen Grenzen zu testen.
Die Arbeit zeigt, dass Tanz kulturelle und philosophische Inhalte wirkungsvoll vermittelt, zugleich jedoch einen hohen Planungs- und Zeitaufwand erfordert und zu wertvollen persönlichen Erkenntnissen führt.

Fragestellung

Wie kann ich tamilische Weisheiten in der Tanzform Bharatanatyam repräsentieren?

Methodik

Die Arbeit verbindet theoretische und praktische Zugänge. Zunächst wurden Grundlagen zu Bharatanatyam sowie zum Thirukkural erarbeitet. Nach dem Lesen aller Verse wurden drei Verse ausgewählt und deren Bedeutung gemeinsam mit einer Tamilischlehrerin analysiert und interpretiert. Auf dieser Basis entstanden eigene Geschichten, die als dramaturgische Grundlage dienten. Der choreografische Prozess wurde durch Interviews mit erfahrenen Choreografinnen ergänzt und erfolgte über Improvisation, die tänzerische Umsetzung konkreter Emotionen und Aussagen, Videoaufnahmen und wiederholte Anpassungen während der Proben. Parallel wurden Musik, Kostüme, Bühne und Aufführung konzipiert und organisiert.

Ergebnisse

Aus den drei ausgewählten Versen entstanden drei eigenständige Tanzstücke. Der erste Tanz thematisiert die unausweichlichen Folgen schlechter Handlungen und zeigt, dass den Täter das einem anderen in der Vergangenheit zugefügte Leid einholt. Der zweite Tanz verdeutlicht, dass negative Beziehungen sich mit der Zeit festigen und umso mehr Schaden anrichten, je länger man sie bestehen lässt. Der dritte Tanz behandelt Liebe, Enttäuschung und Sehnsucht nach einem Vertrauensbruch. Die moralischen Inhalte konnten durch die gezielte Kombination von Mimik, Handgesten, Tanzschritten, Tanzformationen und mit instrumentalen Melodien ohne gesprochenen Text vermittelt werden.

Diskussion

Der Arbeitsprozess erwies sich insgesamt als inspirierend, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit dem Thirukkural, wobei sprachliche Unterstützung notwendig war. Der Choreografieprozess stellte sich als besonders zeitintensiv und anspruchsvoll heraus. Fortschritte erforderten Geduld, Disziplin und die Akzeptanz von Rückschlägen.
Zentrale Erkenntnisse betrafen vor allem die Bedeutung eines realistischen Zeitmanagements, Flexibilität und ausreichender Zeitpuffer, da kreative Prozesse und organisatorische Aufgaben deutlich mehr Zeit beanspruchten als geplant. Herausforderungen ergaben sich zudem bei der Koordination von Proben, der begrenzten Verfügbarkeit der Bühne sowie bei technischen Problemen. Dass mehrfach unerwartete Anpassungen vorgenommen werden mussten, unterstrich die Wichtigkeit frühzeitiger Planung, klarer Absprachen und flexibler Lösungsstrategien. Gleichzeitig erwiesen sich Videoanalysen und insbesondere kontinuierliches Feedback als entscheidend für die Qualität.

Schlussfolgerungen

Die Arbeit zeigt, dass sich die Weisheiten des Thirukkural wirkungsvoll in Bharatanatyam umsetzen lassen, wenn ihre Kernaussage zunächst dramaturgisch geklärt und anschliessend konsequent tänzerisch ausgearbeitet wird. Bharatanatyam ermöglicht es durch seine differenzierten Ausdrucksmöglichkeiten, moralische und emotionale Inhalte ohne Sprache darzustellen.
Gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass künstlerische Prozesse ein hohes Mass an Organisation, Flexibilität und präziser Planung erfordern. Der choreografische Arbeitsprozess sowie die Umsetzung der Aufführung zeigen, dass kreative Arbeit zeitintensiv ist und von Anpassungen sowie Herausforderungen geprägt wird. Daraus wird ersichtlich, wie zentral vorausschauendes Zeitmanagement und strukturierte Planung für den Projekterfolg sind.
Die Arbeit verdeutlicht somit, dass Tanz als Ausdrucksform ein wirkungsvolles Mittel ist, um abstrakte philosophische Inhalte greifbar und erfahrbar zu machen. Gleichzeitig zeigt sie, dass kreative Prozesse nicht nur künstlerische Ergebnisse hervorbringen, sondern auch wesentlich zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung beitragen, indem sie Geduld, Problemlösungsfähigkeit und Durchhaltevermögen fördern.

 

 

Würdigung durch die Expertin

Barbara Catrianna Dejung

Ramya Sellathurai präsentiert in «Rhythmus der Weisheit» eine beeindruckende Choreografie, die tamilische Weisheit und klassischen indischen Tanz verbindet. Klare Fragestellung, eigenständige Konzeption und überzeugende Praxisumsetzung zeichnen die Arbeit aus. Die mit grossem Engagement durchgeführte, umfangreiche Recherche – sowohl zur traditionellen Weisheitslehre, zur Tanztheorie und -geschichte als auch zur Praxis der Choreografie – bildet eine solide Grundlage. Der Prozess wurde anschaulich und klar dokumentiert und führt zu überzeugenden neuen tänzerischen und persönlichen Erkenntnissen.

Prädikat:

Silber

 

 

 

Gymnasium Kirschgarten, Basel
Lehrer: Samuel Strassburg