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Lenn Tscholitsch, 2007 | Stans, NW

 

Einen Dokumentarfilm in einem halben Jahr zu produzieren, erfordert mehr Aufwand, als aus dem Endprodukt herausgelesen werden kann: Von den Recherche- und Entwicklungsarbeiten, über die Organisation und Umsetzung der Herstellung bis hin zur Bearbeitung der entstandenen Bilder und Töne sowie dem Komponieren der Filmmusik gilt es viele Schritte zu meistern, bis ein Film erzählerisch rund wirkt. Aus eigener Hand ist ein 22-minütiger Film entstanden, der die Funktionalität, Herstellungsweise, sowie die archäologische Bedeutung der caligae (römische Militärstiefel) beleuchtet.

Fragestellung

Welche Erzählstruktur und welche perspektivischen Elemente liegen einem historischen TV-Dokumentarfilm zugrunde?
Mit welchen filmischen Mitteln/Methoden lassen sich gesammelte Rechercheergebnisse zu den caligae in einem Dokumentarfilm anschaulich vermitteln?
Wie erweitern die römischen caligae unser Fenster in die Vergangenheit und welche Schlüsse lassen daraus ziehen?

Methodik

In der schriftlichen Arbeit lag der Fokus auf der Filmproduktion und weniger ausführlich zu inhaltlichen Aspekten. Im Theorieteil wurden zunächst zwei TV-Reportagen auf ihre Grundstruktur und Merkmale hin analysiert, um filmische Mittel herauszuarbeiten. Die beiden Dokumentarfilme wurden aufgrund ihrer thematischen Nähe ausgewählt.
Während der Vorproduktion wurden Fachpersonen und Drehorte ausgesucht und angefragt. Peter-Andrew Schwarz, ehemaliger Professor für Provinzialrömische Archäologie, unterstützte durch sein Wissen und sein Personennetzwerk. Vor vielseitigen Kulissen, wie einem römischen Ausgrabungsfeld in Graubünden und den Römerfesten von Vindonissa und Augusta Raurica, sind meine Filmaufnahmen entstanden. In der umfassenden Nachbearbeitung kamen sieben unterschiedliche Programme zum Einsatz, von denen vier neu angeeignet werden mussten.

Ergebnisse

Die beiden Filmanalysen untersuchten die Form und den Aufbau einer TV-Reportage. Filmische Mittel wie rekonstruierte Szenen, die einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen, beleuchten einen für antike Verhältnisse fortschrittlichen Gegenstand. Des Weiteren wurden Experimente, Interviews und Animationen umgesetzt und eingebaut, um einen abwechslungsreichen und informativen Film zu gestalten. Der Herstellungsprozess und der eigene Film wurden analysiert und das Gelernte reflektiert.

Diskussion

Die aus den Filmanalysen gewonnenen Erkenntnisse halfen, das Gerüst einer eigenen TV-Reportage zu entwickeln: Die Exposition (Intro) weckt das Interesse des Publikums. In den anschliessenden ineinander verwobenen Handlungssträngen vertiefen die Zuschauenden das eigentliche Thema. Nach dem inhaltlichen Fazit werden im Filmabspann die wichtigsten Beteiligten verdankt. Verschiedene (Kamera-)Perspektiven wie Frosch- und Vogelperspektive entfalten unterschiedliche Wirkungen. Im Film wird zudem ein Teil der Geschichte aus der Perspektive eines Gegenstandes, derjenigen des Schuhnagels, erzählt. Interviews mit (Fach-) Personen, farbangepasste, rekonstruierte Szenen, die mögliche Fenster in die Vergangenheit darstellen, animierte Zeichnungen und gefilmte Experimente vermitteln das gesammelte Wissen verständlich. Durch eigenkomponierte Melodien, vom Klang römischer Instrumente inspiriert, erhielten mehrere Szenen eine weitere Stimmungsebene. Die Erzählstimme ordnet das Geschehen ein.
Die Überbleibsel der caligae, ihre eisernen Schuhnägel, gingen auf Märschen oft verloren. Anhand deren Kopfdurchmesser lassen sich die Fundstücke unterschiedlichen Zeiträumen zuordnen. Diese Schuhnägel dienen den Archäologen heute als wichtige Indikatoren, wo die römischen Legionäre gewirkt haben.

Schlussfolgerungen

Um eine solche umfassende Arbeit realisieren zu können, war die Investition von viel Zeit und Effort nötig, um aus vielen Einzelteilen ein grosses Ganzes zu formen. Das Vernetzen mit Fachpersonen und das Zusammenspiel von gestalterischen und technischen Mitteln haben zu einem Verständnis des Herstellungsprozesses eines historischen TV-Dokumentarfilmes geführt. Dabei hat sich gezeigt, wie viel inhaltliche Vorarbeit notwendig ist, um Themen filmisch darzustellen und wie viel Offenheit eingebracht werden muss, sich immer wieder von neuem auf Situationen und Menschen einzulassen.
Caligae eignen sich als Erzählträger für eine TV-Reportage besonders gut, da sie eine historische Behandlung mit Bezügen zur Gegenwart erlauben und dadurch einen vielschichtigen Einblick in die archäologische Arbeit zu römischen Legionären ermöglichen.
Letztlich ist der Film eine Teamarbeit. Dieses bereichernde Projekt war nur dank der Bereitschaft, Unterstützung und Hilfe der Beteiligten umsetzbar. Ihnen gilt besonderer Dank.

 

 

Würdigung durch den Experten

lic.phil. Joel Jent

Lenn Tscholitsch überzeugt in seiner Arbeit auf zwei Ebenen: Er hat theoretisch die Strukturen von TV-Dokumentarfilmen analysiert und zugleich autodidaktisch filmisches Handwerk erlernt, um ein eigenes Werk zu schaffen. Dabei recherchierte er und entwickelte ein Drehkonzept, leitete die Produktion, führte Kamera und verantwortete den Schnitt und die Komposition der Musik selbst. Entstanden ist ein dichter Dokumentarfilm, der römische caligae als historischen Zugang und erzählerisches Element nutzt. Lenn wusste dabei Perspektive, Bildgestaltung und Narration kunstvoll in Einklang zu bringen.

Prädikat:

Silber

 

 

 

Kollegium St. Fidelis, Stans
Lehrer: Pascal Kappeler