Biologie | Umwelt
Ariella Fenk, 2007 | Binningen, BL
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist eine invasive Stechmücke und potenzielle Überträgerin von Krankheitserregern. Ihre Ausbreitung betrifft auch die Schweiz. In dieser Arbeit wurde der Beginn der Brutsaison in Basel-Landschaft in Abhängigkeit von Temperatur und Niederschlag untersucht. Dazu wurde vom 1.Mai bis zum 26. Juni 2025 eine Feldstudie in Basel-Landschaft durchgeführt. Die erste Tigermücke wurde Ende Mai nachgewiesen, danach stieg die Aktivität kontinuierlich, wobei es bei schattigen Standorten mehr Funde gab als bei sonnenexponierten. Entgegen früheren Studien begann die Brutsaison bereits vor dem Überschreiten einer Schwelle von 13 °C Tiefsttemperatur. Ein positiver Zusammenhang zeigte sich zwischen der Tigermückenanzahl und der kumulierten Temperatur der dritten und vierten Vorwoche, während kein Zusammenhang mit dem Niederschlag festgestellt werden konnte. Die Resultate zeigen, dass die Aktivität zum Brutsaisonbeginn stark temperaturabhängig ist. Diese Erkenntnisse ermöglichen an die Wetterbedingungen angepasste Bekämpfungsstrategien.
Fragestellung
Ziel dieser Arbeit war es, einen Beitrag zur Forschung an der Asiatischen Tigermücke zu leisten und die Entwicklung zukünftiger Bekämpfungsstrategien zu unterstützen. Hierzu wurde die Eiablageaktivität mithilfe von Tigermückenfallen erfasst. Untersucht wurde die folgende Fragestellung: Wie hängen die Aktivität der Asiatischen Tigermücke und der Beginn der Brutsaison im Kanton Basel-Landschaft mit Temperatur und Niederschlag zusammen?
Methodik
Vom 1. Mai bis 26. Juni 2025 wurde in den Gemeinden Allschwil, Binningen und Reinach (BL) eine Feldstudie durchgeführt. In jeder Gemeinde wurden fünf BG-GAT Fallen eingesetzt, welche Brutstätten simulieren und so gezielt weibliche Tigermücken anlocken. Wöchentlich wurden die Fallen kontrolliert und die Anzahl Funde dokumentiert. Mithilfe von Temperaturloggern wurde das Mikroklima in der Umgebung der Fallen erfasst. Die Fundzahlen jeder Woche wurden mit der durchschnittlichen Tiefsttemperatur der Vorwoche, der kumulierten Temperatur der dritten und vierten Vorwoche sowie dem kumulierten Niederschlag der letzten vier Wochen verglichen. Anschliessend wurde der Zusammenhang zwischen Fundzahlen und kumulierter Temperatur mittels Poisson-Regression statistisch analysiert.
Ergebnisse
Es wurden insgesamt 45 Tigermücken nachgewiesen. Die erste Tigermücke wurde am 22. Mai gefunden, danach stiegen die Fundzahlen kontinuierlich. In Fallen, bei denen Temperaturlogger am Tag grosse Temperaturausschläge aufzeichneten, wurden keine Tigermücken gefunden. Beim Vergleich der Funde zur Tiefsttemperatur wurde festgestellt, dass die erste Tigermücke bereits vor dem Überschreiten der 13-Grad-Grenze (Roiz et al., 2010) gefunden wurde. Dagegen zeigte der Anstieg der Fundzahlen einen ähnlichen Verlauf wie der der kumulierten Temperatur. Dies war beim kumulierten Niederschlag nicht der Fall. Die Poisson-Analyse ergab einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen der Anzahl gefundener Tigermücken und der kumulierten Temperatur (p< 0.001). Pro zusätzlichem Grad kumulierter Temperatur stieg die erwartete Tigermückenanzahl um 4.2%.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass Tigermücken im Untersuchungsgebiet etabliert sind und ihre Aktivität im Saisonverlauf zunimmt. Dieses Muster entspricht Beobachtungen früherer Studien zur saisonalen Entwicklung von Tigermückenpopulationen. Im Vergleich zu Roiz et al. zeigte sich, dass die Brutsaison bereits vor dem Erreichen der 13-Grad-Grenze begann, weshalb diese eher als Orientierung und nicht als feste Schwelle dienen kann. Ein positiver Zusammenhang zwischen Tigermückenaktivität und kumulierter Temperatur konnte bestätigt werden, was auch durch die Poisson-Regression gestützt wird. Der fehlende Zusammenhang mit dem Niederschlag stimmt mit Studien überein, in denen ebenfalls kein klarer Einfluss festgestellt werden konnte. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Mikroklima den Nachweiserfolg beeinflusst, da Tigermücken ihre Eier bevorzugt an schattigen Orten ablegen.
Schlussfolgerungen
Mit dieser Arbeit wird deutlich, dass die Analyse lokaler Wetterbedingungen entscheidend ist, um den Beginn der Brutsaison sowie den Anstieg der Tigermückenaktivität abzuschätzen. Dabei spielt die Temperatur eine zentrale Rolle, während Niederschlag keinen eindeutigen Einfluss hat. Diese Erkenntnisse ermöglichen eine effizientere Planung von Bekämpfungsmassnahmen, deren Einsatz an aktuelle Wetterbedingungen angepasst wird. Im Hinblick auf den Klimawandel sind dynamische Strategien zunehmend wichtig, weshalb langfristige Studien zur Verbesserung der Prognosen nötig sind.
Würdigung durch den Experten
Dr. Tobias Suter
Ariella Fenk führte im Rahmen ihrer Maturaarbeit eine klassische Feldstudie zur Asiatischen Tigermücke im Kanton Basel-Landschaft durch. Mit grossem logistischem Einsatz und sorgfältiger Auswertung zeigte sie ausgeprägte wissenschaftliche Neugier. Ihre Resultate belegen, dass sich die Tigermücke in der Region Basel breit etabliert hat und bereits früh im Jahr aktiv ist – ein spannender Beitrag zu einem realen und wachsenden Problem in der Region Basel und der gesamten Schweiz.
Prädikat:
Silber
Sonderpreis «Alpine Plant Ecology – Lernen und Forschen im Hochgebirge» gestiftet von dsm-firmenich Switzerland
Gymnasium Oberwil
Lehrer: Dr. Samuel Zschokke
