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Sandro Fuchs, 2007 | Appenzell, AI

 

Über Jahrhunderte entwickelte sich die Gitarre hin zu bestimmten Klangidealen, wobei teilweise frühere Klangcharakteristika verloren gingen. Diese Arbeit untersucht, ob sich klangliche Vorteile historischer gitarrenähnlicher Instrumente auf strukturelle Merkmale zurückführen und in einen modernen Prototyp integrieren lassen.

Dazu wurden vier Instrumente aus der frühen Neuzeit analysiert und hinsichtlich ihrer Bauweise und Klangbeschreibung untersucht. Auf dieser Grundlage wurde die Hypothese aufgestellt, dass eine Wölbung die Bassresonanz und Resonanzfreudigkeit steigert. Daher wurde ein Prototyp mit gewölbtem Boden konstruiert und gebaut. Das Ergebnis ist ein spielbares Instrument mit veränderter Klangcharakteristik. Aufgrund der Vielzahl klangbeeinflussender Faktoren lassen sich diese Ergebnisse nicht eindeutig einzelnen Baumerkmalen zuordnen. Dennoch wurde die Hypothese durch den erfolgreichen Prototypen empirisch bestärkt.

Fragestellung

Inwiefern und bei welchen gitarrenähnlichen historischen Saiteninstrumenten aus der frühen Neuzeit lassen sich zurückgelassene klangliche Vorteile in den Bereichen der Bassklänge und der Resonanzfreudigkeit finden und auf strukturelle Merkmale zurückführen?
Wie könnten diese strukturellen Merkmale in einem neuen Gitarrenprototypen genutzt und verbaut werden, und wie würden sich diese Veränderungen auf den Klang des Instruments auswirken?

Methodik

Im theoretischen Teil wurden vier historische Instrumente identifiziert und anhand von Bild- und Textquellen auf ihre strukturellen Merkmale und ihre historischen Klangbeschreibungen untersucht. Aus diesen Beobachtungen wurden Skizzen und Ideen für mögliche Prototypen abgeleitet. Im praktischen Teil wurde eine dieser Varianten, ein gewölbter Boden, in einem neuartigen Instrument umgesetzt. Der Prototyp wurde aus Rohmaterialien aufgebaut, wobei eine selbst entworfene Form verwendet wurde, um aufgekochtes Holz in die gewölbte Form zu bringen. So wurde eine Wölbung im Resonanzkörper erzeugt.

Ergebnisse

Im theoretischen Teil wurden vier gitarrenähnliche Instrumente aus der frühen Neuzeit untersucht:

Die Quinterne ist ein kleines Instrument mit gewölbtem Korpus und kurzer Mensur, beschrieben als klangfreudig und stimmvoll. Die Vihuela besitzt einen mittelgrossen, teils gewölbten Korpus mit Rippen und wird als klar und ausdrucksstark beschrieben. Die Stauffer-Gitarre weist einen gewölbten Boden und starke Taillierung auf und wird als warm und bassbetont charakterisiert. Die Torres-Gitarre ist grösser, ohne ausgeprägte Wölbung, mit Fächerbeleistung und wird als laut und voluminös beschrieben. Aus der Untersuchung wurde die Hypothese abgeleitet, dass eine Wölbung des Bodens die Tiefe des Klangkörpers vergrössert und die Schwingungsbedingungen beeinflusst.

Im praktischen Teil wurde ein Prototyp mit gewölbtem Boden gebaut. Das Instrument ist spielbar und zeigt eine wahrnehmbare Veränderung im Klang, insbesondere im Bassbereich und in der Resonanzfreudigkeit, was durch externe Rückmeldungen bestätigt wurde.

Diskussion

Am Prototyp zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einer Wölbung des Bodens und Veränderungen in Lautstärke und Klangspektrum, wobei weitere Einflussfaktoren nicht ausgeschlossen werden können. Historische Instrumente weisen charakteristische Klangeigenschaften auf, die sich aber nur auf eine Gesamtheit von Strukturunterschiede zu modernen Instrumenten zurückführen lassen. Die eindeutige Zuordnung einzelner Klang- zu Struktureigenschaften bleibt dadurch offen. Dennoch konnte im praktischen Teil ein einzelnes Strukturmerkmal – der gewölbte Boden – in ein modernes Instrument integriert werden. Der gebaute Prototyp zeigt eine wahrnehmbare Veränderung der Klangcharakteristik.

Um die aufgestellte Hypothese zu widerlegen oder zu bestättigen, müssten weitere Untersuchungen angestellt werden. Beispielsweise könnte man durch Erstellen zweier Zwillingsinstrumente, wovon eines eine Wölbung trägt und das andere nicht, den Effekt des gewölbten Bodens isolieren.

Schlussfolgerungen

Die Arbeit zeigt, dass sich historische Bauweisen gitarrenähnlicher Instrumente klanglich sinnvoll nutzen lassen, insbesondere im Hinblick auf Bassstärke und Resonanz. Der entwickelte Prototyp deutet darauf hin, dass konstruktive Elemente wie eine Wölbung des Bodens einen positiven Einfluss auf das Klangspektrum haben können. Dennoch bleibt die genaue Zuordnung einzelner Baumerkmale zu spezifischen Klangeigenschaften aufgrund der Vielzahl an Einflussfaktoren aus. Weitere systematische Untersuchungen wären erforderlich, um diese Zusammenhänge eindeutiger zu klären.

 

 

Würdigung durch den Experten

Marco Heim

Sandro Fuchs hat in seiner Wettbewerbsarbeit in beeindruckendem Handwerk ohne Vorerfahrung eine klanglich wie spielerisch überzeugende Gitarre von Grund auf selbst erbaut. Um verlorene Klangästhetik in heutige Instrumente zu integrieren, charakterisiert er anhand historischer Quellen fünf Instrumente der frühen Neuzeit. Daraus entwickelt er erfolgreich eine innovative Bauweise: Für den Prototypen kombiniert er einen historisch inspirierten gewölbten Boden mit moderner Konstruktion. Er zeigt damit, dass historische Ideale moderne Klangvorstellungen bereichern und neue Klangideale schaffen.

Prädikat:

Bronze

 

 

 

Gymnasium St. Antonius, Appenzell
Lehrer: Raphael Holenstein